Grundprinzip einer Praxeologie

Grundprinzip einer Praxeologie

Die Praxeologie ist im Vergleich zu Theorien in den Naturwissenschaften heute
noch keine ausgebaute oder fortentwickelte Theorie. Es gibt praxeologische
Ansätze in den Sozialwissenschaften, etwa in der Soziologie und Ökonomie,
auf die wir im Laufe dieses Kapitels zu sprechen kommen werden.

Inkompatible Theorie–Ansätze

Handlungstheorien bestehen im Augenblick meist aus Theoriefragmenten,
die untereinander inkompatibel sind. Es gibt noch nicht einmal ein allgemein
als verbindlich anerkanntes Grundprinzip für eine Praxeologie.

So argumentieren einige Handlungstheoretiker ausgesprochen »atomistisch«,
indem sie ihre Konzepte ausschließlich auf Einzelpersonen und deren
Motive fokussieren. Andere Ansätze dagegen sind ausgesprochen »holistisch«
und stellen sich Institutionen und Organisationen als soziale Akteure
und handelnde Organe eines sozialen Ganzen vor.

Beispiele für atomistische Theorien finden sich vor allen Dingen in den
gängigen Ansätzen der Wirtschaftswissenschaft. Sie setzen mit ihren Konzepten
an der Vorstellung isolierter Einzelpersonen und ihren Interessen an. Diese
Individuen werden als ökonomische Akteure betrachtet, die sich permanent
in Situationen der Abwägung von Kosten und Nutzen ihrer Handlungen und
Handlungsplanungen befinden.

Beispiele für holistische Handlungstheorien sind die durch die pragmatistische
Sozialphilosophie Jürgen Habermas› beeinflussten Ansätze, die in der
deutschsprachigen Sozialphilosophie diskutiert werden. Sie betrachten den
einzelnen Menschen als Wesen, das zur Orientierung in der Welt über kein
hinreichendes individuelles Urteilsvermögen verfügt. Zur Feststellung der
Wahrheit von Aussagen ist jedes Individuum laut Habermas› »Theorie des kommunikativen
Handelns« auf den Konsens eines Diskussions–Kollektivs ange-
wiesen. Die Welt wird dem Menschen angeblich erst als Tatbestand verfügbar,
nachdem diese ihm in kollektiven Sprechakten verbindlich erklärt worden ist.

Konzeptioner benötigen eine Praxeologie.

Wir benötigen als Basis für unsere konzeptionelle Arbeit eine empirisch
verankerte Praxeologie. Denn wir sind auf begründetes theoretisches und
empirisches Wissen darüber angewiesen, wie soziales Handeln und insbesondere
Kommunikation tatsächlich »funktioniert«.

Da wir für Konzeptionszwecke auf keine bereits fertig entwickelte Handlungstheorie
zurückgreifen können, müssen wir hier selber das Grundgerüst
einer solchen Theorie aufbauen. Dazu greifen wir auf Vorschläge des Wissenschaftstheoretikers
Mario Bunge sowie auf theoretische Befunde des Soziologen
Mark S. Granovetter zurück.

Wir werden eine systemische Handlungstheorie skizzieren und dazu gezielt
auf sozialwissenschaftliches Wissen zurückgreifen. Die Hauptfunktion der
gesuchtenTheorie ist es, das Analysieren von Handlungen und Prozessen in
Sozial– und Kommunikationssystemen zu ermöglichen.

Ausgangspunkt unserer Überlegungen ist die Annahme, dass jede menschliche
Handlung durch einen individuellen Akteur ausgeführt wird. Kollektive
können in diesem Sinne nicht als Akteure gelten.

Menschliche Handlungen finden innerhalb sozialer Systeme oder Netzwerke
statt. Akteure beziehen sich mit ihren Handlungen auf Strukturen dieser
Systeme und auf Personen und Dinge, die sich darin befinden.

Erste Schlüsselbegriffe unserer Theorie sind :

• Sozialsystem und Kommunikationssystem
• Handeln gegenüber einem System
• Handeln in einem System
• Konsequenzen und Effekte dieses Handelns
• Rationalität von Handlungen
• ethische Bewertung von Handlungen

Aus:
Heinz W. Droste: Kommunikation – Planung und Gestaltung öffentlicher Meinung;
Band 1: Grundlagen – Kapitel 9 –
Praxeologie der Konzeptionstechnik:
Das Management von Netzwerken

Seite 245-6

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