Konzept der Deutschen Denker

Was ist das Konzept dieses Blogs?

Einfach gesagt, geht es darum, aktuelle Forschungs-Ergebnisse zu sammeln, die in den Feldern Soziologie, Psychologie und der begleitenden Philosophie auftreten.

Im Detail geht es um solche Research-Ergebnisse, die Licht auf psychische und soziale Mechanismen werfen, die menschliche Kommunikation und die Funktionsweise sozialer Interaktionssysteme erklärbar machen.

Der Titel „Deutsche-Denker“ und das begleitende Grafik-Design spielen auf eine traditionelle Konflikt-Position hin: „empirische Wissenschaft“ versus „Geisteswissenschaft“.

Erläuterung: Der Idealismus bzw. die Hermeneutik konnten die deutsche Intellektuellen-Kultur bis heute stark prägen. Gesellschaftliche Kommunikation nach den Standards eines wissenschaftlichen Realismus zu analysieren und zu erklären, stößt deshalb häufig auf Widerstände bzw. auf Unverständnis. Wie diese Widerstände oder das Unverständnis im Einzelnen aussehen, wird dem Autoren und den Lesers dieses Weblogs bei dem einen oder Beitrag begegnen.

Welche Haltung der Autor in Bezug auf idealistische Gesellschaft-Metaphysik und „Verstehens-Methodologie“ einnimmt, soll an dieser Stelle in Form der Beantwortung folgender erkenntnistheoretischen Grundfrage dargestellt werden:

Was können wir wissen?

Drei Antworten sind verbreitet:

(1) alles,
(2) nichts
(3) und etwas.

Welche Antwort gibt der Autor?

Starten wir bei der ersten Antwort – bei »alles«:

Das ist die Antwort, die typischerweise von Fundamentalisten gegeben wird. Sie gründen ihre Antwort dabei nicht auf empirische Tatbestände, sondern beziehen sich auf Dogmen. Solche Dogmen können religiöser, philosophischer, politischer oder ökonomischer Natur sein. Häufig beziehen sich die »alles«–Antworter auf bestimmte Texte, die wenn richtig interpretiert, alles enthalten sollen, was die Menschheit weiß und wissen muss.

Für den gläubigen Christen ist das gesamte menschliche Schicksal von Anbeginn und für alle Zeit in einem heiligen Buch abgesteckt.

Insbesondere deutsche Philosophen und sozialtheoretische Schriftsteller verfügen über einen Fundus von Autoren und deren Werke, in denen sie die Dialektik gefunden zu haben glauben, welche die menschliche Geschichte durchwirkt und unvermeidbar in einer ewigen Abfolge von These und Antithese in Richtung Unendlichkeit lenkt.

Politische und ökonomische Denker glauben die ewigen politisch–ökonomischen Gesetze ermittelt zu haben, die das Handeln des Menschen und seiner Institutionen universell bestimmen.

Natürlich ist diese Antwort falsch. Wir können nicht alles wissen.

Unsere Theorien haben genauso lediglich begrenzte Reichweite, wie unsere Möglichkeiten, empirische Daten zur Prüfung unseres Wissens zu erheben. Auch in Bezug auf unsere Vergangenheit können wir niemals auch nur annäherungsweise vollständiges Wissen erlangen. Wer etwas weiß, ist automatisch mit ständig präsenten Wissenslücken konfrontiert.

Nun zur Antwort »nichts«:

Zwar kann ein radikaler erkenntnistheoretischer Skeptizismus für gute Laune sorgen und verbunden mit dem Motto: »Wenn ich nichts wissen kann, dann geht halt alles […]« Auslöser sein für allerlei »kreative« Gedanken.

Die Antwort ist dennoch falsch, denn wir verfügen über einen wachsenden Fundus an mathematischem, wissenschaftlichem und technologischem Wissen sowie Wissen über den Menschen, über seine Bedürfnisse, sein Denken und Fühlen.

Die hier favorisierte Antwort dagegen ist »etwas«:

Bei der Begründung dieser Antwort folge ich den Überlegungen des Erkenntnistheoretikers Mario Bunge. Er knüpft daran an, dass wir nachweislich Wissen erreichen können:

Zwar wissen wir nicht alles, weil unsere Quellen beschränkt und unsere Archive und die hier lagernden Daten nicht komplett sind. Unsere Ressourcen sind oft mager, unsere Neugier nicht immer intensiv genug, unser Hirn nicht immer arbeitsbereit und fähig genug.

Bisweilen stehen uns auch philosophische Mythen im Weg. Zum Beispiel der Mythos, wir könnten lediglich verstehen, was wir selber gefertigt haben: Werkzeuge, Ideen oder insbesondere gesellschaftliche Institutionen.
Das stimmt ganz deutlich nicht. Denn jeder Sozialwissenschaftler wird zugeben müssen, dass wir gerade über die Natur, die wir nicht selber gemacht haben, wesentlich mehr wissen, als über unsere »selbst produzierte« Lebenswelt, die Gesellschaft.

Ein weiterer hinderlicher Mythos ist der verbreitete Mythos sogenannter dualistischer Philosophien oder Denkrichtungen.

Duale Philosophien wie etwa die Kants behaupten, dass wir als Menschen zwei Seinsweisen haben – eine geistige (Vernunft) und eine körperliche Existenz (Sinnlichkeit), die jeweils scharf voneinander getrennte Sphären darstellten. Dualistische Philosophen behaupten mit Blick auf diese Weltentrennung, wir könnten niemals erkennen oder wissen, was andere Personen fühlen oder wahrnehmen, weil subjektive Erfahrung privat und damit unbeobachtbar, physisch nicht erfassbar wäre.

Diese Ansicht ist Teil des empirizistischen Dogmas, das Wissen als eine Form von Erfahrung, beispielsweise Sinneserfahrung interpretiert.

Dieses Konzept ist falsch, weil es Formen von empirischem Wissen gibt, die sich nicht auf Erfahrung oder sinnliche Wahrnehmungen reduzieren lassen.

Beispielsweise gibt es Wissen aufgrund von Beschreibungen – etwa anderer Personen –, die das Wissen ergänzen, das wir durch eigene Erfahrung mit einem Untersuchungsgegenstand erhalten können. Insbesondere können wir Aussagewissen über subjektive Erfahrungen und Wahrnehmungen aufgreifen und damit arbeiten – das ist es schließlich, womit die Psychologie ganz wesentlich zu tun hat.

Ganz klar:

Niemand kann exakt dasselbe auf dieselbe Art wahrnehmen, fühlen und denken wie eine andere Person. Auf »dieselbe« Art« nicht, aber im Deutschen können wir stattdessen sagen: Auf die »gleiche« Art, denn wir können zumindest eine ungefähre Vorstellung davon haben, wie Mitmenschen wahrnehmen, fühlen oder handeln. Das kommt daher, dass alle »gesunden« menschlichen Hirne ähnlich arbeiten und sich menschliche Erfahrungen unterschiedlicher Personen deshalb ausreichend »gleichen«.

Überhaupt geht es im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchung nicht darum, Erfahrungen anderer Menschen nachzuerleben, sondern darum, einige in gewissem Umfang ausreichend zu verstehen und nachzuvollziehen.

Epistemologisches Fazit

Wir können also nicht Alles, aber doch Einiges wissen. Und, was wir wissen, ist derart reichhaltig, dass wir als Analytiker menschlicher Kommunikation arbeitsfähig sind – auch wenn wir an dem einen oder anderen Punkt dann doch noch innehalten müssen, um unser Wissen auszubauen.

An dieser Stelle definiert der Autor die Prämissen, aufgrund er sich auf diesem Blog bemühen wird, seine Beiträge zu verfassen:

(1) Wir können die Welt und die kommunikative Realität um uns herum erkennen, wenn auch nur partiell, unvollkommen und schrittweise.

(2) Alle kognitiven Akte – Wahrnehmen, Verstehen, Erkennen, Kommunizieren usw. – bestehen aus Vorgängen im Nervensystem eines Lebewesens.

(3) Es gibt kein Wissen an sich – kein von kognitiven Akten lösgelöstes Wissen höherer Odnung (keine Reich drei der objektiven Gedankeninhalte).

(4) Es gibt stillschweigendes Wissen und explizites Wissen, privates und intersubjektives Wissen.

(5) Objektives Wissen ist intersubjektiv und prüfbar. Es ist nicht notwendigerweise wahr.

(6) Die Feststellung von Wahrheit setzt empirische Überprüfung voraus.

(7) Die Epistemologie empirischer Wissenschaften zeichnet sich aus durch einen kritischen Realismus, einen erkenntnistheoretischen Konstruktivismus, einen erkenntnistheoretischen Materialismus, einen Ratioempirismus, einen Fallibilismus, Meliorismus sowie einen Szientismus.