Anthropologie gesucht

Anthropologie gesucht

Im Blickpunkt unserer Handlungs– und Kommunikationstheorie für
Konzeptionstechniker steht das in Sozialstrukturen »eingebettete« Individuum.
Im Folgenden werden wir uns den individuellen Akteur genauer anzusehen haben.

Wir benötigen einen Einblick in seine typischen Antriebe oder Beweggründe,
sich an Kommunikation zu beteiligen und als Konsequenz Dinge zu tun oder
zu meiden. Wir kommen damit auf die Motivation von menschlichen Akteuren
zu sprechen.

Wenn wir nachvollziehen können, was Menschen zu Handlungen motiviert,
können wir ihr Kommunikationsverhalten verstehen, Beweggründe
erklären und bekommen Anhaltspunkte, wie wir ihre Kommunikation beeinflussen
können.

»Workingmodel« des Akteurs

In diesem Kapitel suchen wir also nach so etwas wie einem »working
model« des Akteurs und Kommunikators, das abbildet, wie Personen in
Kommunikations–Situationen reagieren und handeln.
Mit Hilfe dieses Modells verfügen wir über eine »Anthropologie« – frei übersetzt:
eine Wissenschaft vom Menschen –, die einen wichtigen Wissensbestand unserer
Arbeit an Kommunikationskonzepten bildet.

Wie gesehen arbeiten Handlungstheorien häufig mit »unter–sozialisierten«
oder »über–sozialisierten« Interpretationen individuellen Verhaltens.
Was wir in Zukunft benötigen, ist eine Anthropologie, die in keine dieser beiden
Richtungen einseitig tendiert und stattdessen das tatsächliche Verhalten
von Akteuren realistisch abbildet.

Anthropologie im Wirtschaftsalltag

Wir starten die Arbeit an unserer Anthropologie damit, dass wir auf das Menschenbild
schauen, mit dem wir als Konzeptioner laufend konfrontiert werden.
Es handelt sich hierbei um das so genannte ökonomische Menschenbild.
Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass wir ständig mit einer klassischen
»Wirtschafts–Anthropologie« konfrontiert sind, die die meisten unserer
Gesprächspartner vermutlich sogar auf ihren Alltag und ihr Privatleben
anwenden.

Das folgende Ergebnis vorwegnehmend halten wir fest, dass dieses in vielen
Köpfen »fest eingespeicherte« Konzept von »ökonomischen Subjekten« einer
empirisch kaum begründbaren Vorstellung entspringt, nämlich dem Bild
des Menschen als einem durchweg eigennützigen Vernunftswesen, das sich
lediglich zum eigenen Vorteil auf seine Mitmenschen einlässt.

Typische »unter–sozialisierte« Sichtweisen

Gerade auf Seiten unserer Klienten finden sich häufig Ansprechpartner,
die von dieser Wirtschafts–Anthropologie besonders überzeugt sind. Das
hat damit zu tun, dass sie meist einen wirtschaftswissenschaftlichen oder
betriebswirtschaftlichen Bildungshintergrund haben und deshalb zu typischen
»unter–sozialisierten« Sichtweisen neigen.

»Use it or loose it!«
Donald Olding Hebb

Aus:
Heinz W. Droste: Kommunikation – Planung und Gestaltung öffentlicher Meinung;
Band 2: Mechanismen – Kapitel 10 –
Anthropologie der Konzeptionstechnik:
Motivation – Basis menschlicher Kommunikation

Seite 292-93

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